Karl Slevogt - Das PUCH-Werk 1908

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Ein Besuch im Puch-Werk - die Produktion bei Puch 1908

Hier können wir den Übergang von der Manufaktur zum Fabrikationsbetrieb miterleben. Nach wie vor ist die Fertigungstiefe sehr hoch, außer der Fahrzeugelektrik, Vergaser, Reifen und Kugellager gibt es kaum Zulieferer. Gießerei, Schmiede, Galvanik, Kastenbau, Lackiererei, Polsterei sind nur einige der Gewerke, welche in der Fabrik beheimatet sind. Andererseits findet man bereits die ersten Fertigungs-Automaten, Mehrspindel-Bohrwerke, Fräsautomaten, kombinierte Fräs-Bohrwerke, Zahnrad-Hobelmaschinen usw. womit man zumindest die Technik in reproduzier- und austauschbarer Präzision herstellen kann. Es werden bereits Werkstück-Prüfungen zwischen den Fertigungsschritten vorgesehen.
Allerdings - an einen Schutz der Arbeiter vor Lärm, Staub, Dämpfen usw. dachte damals niemand.
All diese Maschinen müssen beschafft werden, damit Puch in die Automobil-Herstellung einsteigen kann, wobei diese Maschinen zum Teil lange Lieferzeiten haben. Da kann Karl Slevogt noch so schnell konstruieren - auch er muß warten, bis die Fertigung mit den nötigen Maschinen ausgerüstet ist.
Die traditionelle Fertigung von Fahrrädern und Motorrädern aller Hubraum-Klassen läuft nach wie vor auf Hochtouren. Die Voiturette mit V2-Motor wird nach wie vor als "Einstiegsmodell" gefertigt. Die "Automobilfabrik" ist jedoch fast komplett auf die neuen Reihenmotor-Baureihen Zweizylinder 9/10 HP und Vierzylinder 14/16 HP und 20/25 HP ausgelegt. Vom Zweizylinder-Modell gibt es bereits eine Sportausführung, die nicht nur beim Ries-Rennen und am Semmering in der Hubraumklasse bis 1,5l überragend siegt (siehe Puch-Sport 1908).
Die Reihenmotoren ähneln den Slevogt-Konstruktionen bei Laurin&Klement stark, wurden aber von Slevogt schon verbessert und der "kleine" Motor (dessen Rennausführung schon fertig ist) kann die mittlerweile von Hieronimus verbesserten L&K-Fahrzeuge schlagen.

Auf die Details der Slevogt-Konstruktionen werde ich im Abschnitt über das Jahr 1909 ausführlich eingehen.

Ein Besuch im Puch-Werk - Ein Bericht der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 5. April 1908

Puch 1908
Mitte: Sportmodell des 9/10 HP Zweizylinder Puch-Wagens (Zwei- und Vierzylinder sind Reihenmotoren mit Sackzylindern Slevogtscher Konstruktion ebenso wie das Fahrgestell des Sportmodells)
Puch 1908
Mitte: das leichte Puch-Motorrad Kolibri, wiegt 35 kg (das wäre heute so was wie ein Moped, für die damalige Zeit unerhört leistungsfähig und zuverlässig)
Puch1908
Links oben die Halle für den Fahrzeugbau (wäre heute Endmontage), rechts oben die Spezialwerkstatt mit den Automaten (wäre heute Dreherei/Fräserei, natürlich Antrieb mit Transmission), unten links die Halle für die Motor-Montage (endlose Werkbänke, viel Handarbeit, lange Wege), rechts unten die Tapeziererei (Heute sagt man Sattlerei oder Polsterer dazu. Der Begriff hat sich in Tschechien erhalten)
Puch 1908
Mitte: Der kleinste Dreher in den Werken von Johann Puch A.G.
Puch 1908
Links oben die Halle für den Rahmenbau (Es wurde damals noch viel genietet), rechts oben die Lackiererei (Lackauftrag mit dem Pinsel in Handarbeit), unten links die Schnelldreherei - man beachte die kolossalen Späne, die da abgedreht werden (Das angelieferte Rohmaterial mußte erst mal in bearbeitbare Form gebracht werden), rechts unten Bremsstation (Heute Leistungs-Prüfstand. Den Prüfstand hatte Karl Slevogt bei Laurin&Klement erfunden. Alle Motoren werden geprüft)
Puch 1908
Oben der Kolben eines Puch-Motors mit einem 4. unteren Kolbenring (ballige Kolben wurden viel später erfunden), unten ein Dampfhammer (wird z.B. zum Schmieden der Kurbelwellen benötigt, so was funktioniert heute hydraulisch/pneumatisch)
Puch 1908
Oben und links unten: die praktische Verwendbarkeit der drehbaren Montierböcke in den Werken von Johann Puch A.G. (heute Motor-Endmontage, die Teile heißen heute Motorständer und sind in jeder Werkstatt zu finden), rechts unten: eine automatische Kegelräder-Hobelmaschine, die die erste und einzige in Österreich ist (Zahnrad. und erst recht Kegelrad-Hobelmaschinen waren damals wahre Wunderwerke der Technik, später noch übertroffen von Automaten für Hypoid-Verzahnung)
Puch 1908
Links oben die Galvanik (Absaugvorrichtung oder Atemmasken gab es noch nicht), links die Wagen-Lackiererei (auch hier kein Schutz vor Staub und Lösungsmitteln)
Puch
Werbeanzeige für die PUCH-Produkte aus dem "Motorfahrer" vom 20.März 1908
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Werbeanzeige mit dem PUCH-Fertigungsprogramm aus der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 22.März 1908
Puch
Puch
Messebericht in der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 5.April 1908. Hier wird kurz das gesamte Puch-Motorfahrzeug-Programm, die Reihenmotor-Automobile mit zwei und vier Zylindern, die V2-Voiturette, das Kolibri-Leichtmotorrad und die Puch-Motorradpalette vorgestellt.
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Werbeanzeige mit dem PUCH-Fertigungsprogramm aus der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 5.April 1908
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Werbeanzeige zu Ostern für die PUCH-Produkte aus der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 19.April 1908
Puch
Werbeanzeige aus der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 19.April 1908 mit einem Leserbrief des Puch-Fahrers und Apothekers Loebel: Mit der mir von Ihnen gelieferten 8/10 HP Voiturette bin ich sehr zufrieden; sie hat mich im letzten Winter unter den schwierigsten Schneeverhältnissen bei meinen kleinen Touren nie im Stich gelassen.
Puch
Ein Artikel im "Motorfahrer" vom 3.Juli 1908 mit der Aufforderung, Kataloge und Prospekte von der Fa. Puch anzufordern. Auch hier wird speziell die Ärzteschaft mit verschiedenen "Doktor-Wagen" Modellen angesprochen.
Puch
Die Ärzteschaft ist nach wie vor eine ganz wichtiger Kundenbereich, daher stellt Puch gerne Fahrzeuge für Fahrschule und Probefahrten zur Verfügung
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Werbeanzeige für die PUCH-Produkte aus der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 30.August 1908
Puch
Postkarte
Oben eine Postkarte von 1908, die Vorderseite zeigt Johann Puch im Kreise seiner Automobil-Werker, (Auch hier die Hackordnung - zwischen Puch und Slevogt ist nur ein Direktor plaziert). Auf der Rückseite schreibt Karl Slevogt an seine Mutter in Bayreuth: "An Urlaub ist einstweilen nicht zu denken".
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Werbeanzeige für die PUCH-Produkte aus der "Allgemeinen Automobil Zeitung" vom 6.Dezember 1908
Puch
Dieser Bericht aus dem "Motorfahrer" vom 15.Mai 1908 zeigt deutlich, daß trotz der Expansion auf dem Automobil-Sektor die Motorrad-Entwicklung und -Produktion bei Puch keineswegs vernachlässigt wird. Die Angebote (neben dem Leichtmotorrad Kolibri) reichen vom 3.5 HP Einzylinder-Motorrad bis zum 6 HP V2-Tourenmotorrad.

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