Karl Slevogt - Laurin & Klement 1907 L u KLuK-Logo


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Letzte Bearbeitung am 15.02.2019

Wie so viele Firmen der Gründerzeit begann auch Laurin & Klement mit der Fahrrad-Reparatur und Fahrrad-Herstellung, die Fa. "Slavia" wurde am 18. Dezember 1895 vom Buchhändler Václav Klement und dem Schlosser Václav Laurin in Mladá Boleslav (Jungbunzlau) gegründet. Schon 1898 wurden Fahrräder mit Hilfsmotor gefertigt, ab 1899 auch Motorräder mit stehendem Einzylinder-Motor, besonderes Kennzeichen dabei der Zündmagnet in einer Rahmenschleife unter dem Motor. Das Unternehmen war denkbar erfolgreich, 1902 hatte man schon über 2000 Motorräder gefertigt und man hatte in 34 Rennen 32 Siege errungen. Die Motorrad-Palette wurde um eine Maschine mit 2-Zylinder-V-Motor erweitert.
Schon ab 1902 hatte man sich im Automobilbau versucht, aber erst 1905 konnte man eine Voiturette mit V-Zweizylinder-Motor herausbringen. Allerdings war man damit in einer Sackgasse - mehr war mit den V-Motoren nicht zu machen. (Anmerkung: Alle L&K-Vouturetten ohne Kühlerverschluß und dem "Backblech" auf der Haube sind von Laurin entwickelt, bevor Slevogt kam)
Karl Slevogt wurde eingeladen, am 20.Mai 1906 auf einer Laurin & Klement Voiturette an der Fahrt Wien-Graz-Wien teilzunehmen. Slevogt erreichte den 5. Platz in der Voiturette-Klasse auf dieser Fahrt und wurde sofort als Chefkonstrukteur bei Laurin & Klement eingestellt, um eine völlig neue Generation von 2- und 4-Zylinder Reihenmotoren zu entwickeln. Zugleich wurde der V2-Motor von Slevogt auf Wasserkühlung umgestellt, das ergab die überaus erfolgreiche "Voiturette A" mit 1100 cm³ und 5,1 kW (7 PS), noch mit Tropöler.
Dieses Fahrzeug wurde beim Semmering-Rennen am 23.September 1906 eingesetzt, Karl Slevogt errang damit einen überlegenen Sieg. Auch bei anderen Sportveranstaltungen in Deutschland und Österreich siegte die Voiturette A. Slevogt schuf auch eine größere Version mit 10/12 HP mit gleichem Motoren-Konzept. Die Bedienung von Frühzündung und Drossel an der Lenksäule, Getriebe und Achsen kugelgelagert.
So ganz nebenbei erfand Karl Slevogt den ersten brauchbaren Motoren-Prüfstand.
Karl Slevogt entwickelt eine neue Motorengeneration für Laurin & Klement, bestehend aus einem Zweizylinder-Reihenmotor, Blockmotor mit Sackzylinder und T-Kopf, mit 80 mm Bohrung und 110 mm Hub fast quadratisch ausgelegt, Thermosyphon-Kühlung, Druckumlauf-Schmierung, Querstrom-Zylinderkopf mit stehenden Ventilen als Typ B mit 9 HP, später als BS mit 10 HP. Der Vierzylinder-Motor Typ "C" besteht aus zwei Zweizylinder-Blöcken mit den gleichen technischen Spezifikationen mit 12 und 15 HP. Die Motoren sind den Cudell-Motoren noch sehr ähnlich.
Da die Motoren Typ B und C wegen der zwei Nockenwellen zu teuer in der Fertigung sind, präsentiert Karl Slevogt schon im Winter 1906/1907 neue Motoren.
Es handelt sich um 4-Zylinder-Blockmotoren mit Sackzylinder und L-Kopf, Typ "F" mit 2440 ccm und Typ "K" mit 4253 ccm 24/28 HP , eine Nockenwelle, gekapselte Ventile, Magnetzündung, Schmierung mit Friedemann-Öler. Daher gab es im Winter 1906/1907 jede Menge neuer Laurin & Klement-Modelle, damit wird die Firma zum größten Fahrzeug-Hersteller im Königreich Österreich-Ungarn. Eine Menge der politischen Prominenz besucht und besichtigt die Fabrik, darunter auch der Erzherzog.
Der Vierzylinder-Reihen-Block-Motor, als Typ "F" mit seitlich gesteuerten Ventilen, 16PS bei 1500/min, als Typ "FC" mit hängenden Ventilen, 30 PS bei 1800/min. Bohrung 84 mm, Hub 110 mm, 2496 ccm, Zylinderkopf nicht abnehmbar, Kurbelwelle in 3 Gleitlagern, Druckumlauf-Schmierung, Thermosyphon-Kühlung, Nockenwellen-Antrieb Stirnräder, Doppelzündung mit Bosch Magnet/Batterie, automatische Zündverstellung, 2 Kerzen pro Zylinder, Zenith-Vergaser mit Vorwärmung - diese Konstruktion ist die Basis der Laurin & Klement-Produktion für die folgenden Jahre.
Der Typ "F" wird ein Erfolgsmodell für Laurin & Klement, sowohl im Verkauf als auch im Motorsport, noch Jahre nachdem Slevogt Laurin & Klement verlassen hatte, wurde dieser Motor weitergebaut und weiterentwickelt.
Unzählige Erfolge gehen auf das Konto dieses Motors, gefahren von Slevogt, Hieronimus, Graf Kolowrat und anderen prominenten Fahrern bis 1910. Der Typ "FC" in Rennversion mit über 50PS ging deutlich über 110 km/h und wurde auch bei der Prinz-Heinrich-Fahrt 1909 eingesetzt!
Karl Slevogt verbindet zwei Typ-F-Motore zu einem 8-Zylinder-Motor mit 45/50PS, 4880 ccm zum Typ "FF", als Typ "K" auf der Automobilausstellung 1907 in Berlin und in Paris. Wäre der Motor in Serie gegangen, so wäre das der erste deutsche Achtzylinder gewesen. Aber zu der Zeit ist Karl Slevogt schon bei Laurin & Klement ausgeschieden.
Selbstverständlich fuhr karl Slevogt auch Rennen mit dem "Typ F", so gewann er 1907 überlegen die Fernfahrt Prag-Tabor-Piset-Prag, leider konnten hierzu keine Berichte gefunden werden. Karl Slevogt hat auch bei der Österreichischen Alpenfahrt im Mai 1907 den Typ F eingesetzt, allerdings baute er einen schlimmen Unfall, den er und sein Mechaniker mit viel Glück ohne Blessuren überstanden. Als Unfallursache gab Karl Slevogt eine Reifenpanne an, allerdings waren am Unfallfahrzeug alle Reifen in Ordnung. Herr Klement erkärte, daß allein die Unvorsichtigkeit des Herrn Slevogt schuld am Unfall sei. Lange habe ich geglaubt, dieser Unfall wäre die Ursache für das Zwerwürfnis zwischen Karl Slevogt und Laurin & Klement, aber da lag ich falsch.
Karl Slevogt nahm auch am Semmering-Rennen 1907 auf einem Laurin & Klement Typ "F" teil. Drei Tage vorher, bei einer Trainingsfahrt, hatte Karl Slevogt einen Unfall mit einem anderen Fahrzeug, dessen Besitzerin sowohl ihn als auch die Fa. Laurin & Klement verklagte, Teile der Klageschrift liegen mir vor. So stellte sich heraus, daß Karl Slevogt nicht nur im Raum Aachen für etliche Unfälle mit Telegrafenmasten, Kühen und Automobilen verantwortlich war, sondern auch von Aachener Fahrlehrern als "Zu nervös und untauglich zum Autofahren" abgelehnt wurde. Karl Slevogt hatte also keinen Führerschein, was aber die Voraussetzung für seine Anstellung bei Laurin & Klement war - die Fima hatte keine Wahl - sie mußte sich von Karl Slevogt trennen. Otto Hieronimus wurde zum neuen Chefentwickler bei Laurin & Klement bestellt.
Karl Slevogt verläßt die Fa. Laurin & Klement zum 26.Oktober 1907. Die von Karl Slevogt entwickelte Motorenreihe Typ BS, E, F wird erst Ende 1909 abgelöst, die Fertigung des V2-Motors wird Anfang 1909 eingestellt.
Merkwürdig, daß sich im Nachlaß von Karl Slevogt alle möglichen Ausweise und Nachweise finden lassen, aber kein Führerschein.


Laurin und Klement
Laurin & Klement 1905 (Links: Václav Klement, Rechts Václav Laurin
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